14 – Tausend Meilen

Die Reise nach Benares beginnt! Zusammen mit Emma McKinsley, einer schottischen neureichen Dame, welche sie in den letzten Tagen kennengelernt haben, besteigen alle den Zug, der sie tief ins indische Hinterland bringen wird. 800 Meilen in 4 Tagen sind geplant.
Schon beim Bezug des Abteils gibt es eine erste Aufregung, weil dies bereits von einer indischen Familie besetzt ist. Aber dies kann geklärt werden, noch bevor der Schaffner bemüht werden muss.

Die Reise durch Nordindien führte die Investigatoren durch eine weite, flache Landschaft, die sich scheinbar endlos bis zum Horizont erstreckt. Das Land wirkt trocken und ausgedörrt, die Erde hart und rissig. Obwohl Indien ein tropisches Land ist, fällt in den Wintermonaten kaum Regen, und so liegt über allem ein staubiger, matter Schleier. Aus dem Abteilfenster ensteht bald der Eindruck, der Zug bewege sich kaum vorwärts. Ohne markante Orientierungspunkte scheint die Landschaft stillzustehen, während die Räder unermüdlich über die Schienen rattern. Immer wieder muss der Zug auf kurzen Ausweichgleisen halten, da große Teile der Strecke nur eingleisig sind und entgegenkommende Züge passieren mussten. Auch an größeren Bahnhöfen ziehen sich die Aufenthalte in die Länge. Auf den Bahnsteigen drängten sich ganze Menschenmengen, doch oft stellt sich heraus, dass nur wenige tatsächlich mitreisen wollen. Viele waren lediglich gekommen, um Angehörige zu verabschieden – mit Freunden, Kindern, Gepäck und lautem Stimmengewirr.

Mit der Zeit gewöhnen sich die Investigatoren an die wiederkehrenden Bilder der Reise: Affen am Rand der Strecke, magere Hunde im Staub und Gruppen stiller Dorfbewohner, die den vorbeiziehenden Zug mit wachsamen Blicken verfolgen und sie versuchen, das beste aus den zur Verfügung stehenden Mitteln herauszuholen: Man versucht sich mit Büchern oder Konservation abzulenken und öfters wird auch das Zugrestaurant aufgesucht, um einfach mal allein zu sein und der Enge des Abteils zu entfliehen.

Nach 4 Tagen wird vom Schaffner endlich das Ziel der Reise bekanntgegeben: Benares. Als der Zug langsam durch die Außenbezirke kriecht, bemerken die Investigatoren nahe der Gleise eine größere Menschenmenge. Rund fünfzig Personen hatten sich um einen Redner geschart. Einige halten Stöcke in die Höhe, einer sogar ein Schwert. Immer wieder rufen sie denselben Satz auf Hindi, den Emma im Zug mit den Worten übersetzt: „Der König steigt hernieder.“

Als der Zug auf gleicher Höhe ist, zeigt der Redner plötzlich in Richtung der Wagen. Sofort lösen sich mehrere Männer aus der Menge und rennen auf den Zug zu. Steine werden aufgehoben und gegen die Fenster geschleudert, während andere versuchen, sich an Türen und Trittbrettern festzuklammern. Im Inneren brach Panik aus. Frauen schreien, Kinder weinen, Reisende werfen sich von den Fenstern weg. Dann zerbirst das erste Glas in einem Nebenabteil der Investigatoren: Sofort kommt Bewegung in die Gruppe und Arthur läuft zum Waggonende um die Tür zu sichern während Gilbert nach einer Möglichkeit sucht, Kontakt mit dem Zugführer aufzunehmen, damit dieser schneller fahre. Rowland versucht das gleiche über den Schaffner während der Rest versucht, im Abteil in Deckung zu gehen und ihrerseits ihre Schusswaffen anzulegen.

Die Versuche sind von Erfolg gekrönt, der Zug gewinnt endlich wieder an Fahrt, doch einige Angreifer hängen noch immer außen an den Wagen. Mit verzerrten Gesichtern und staubigen Händen versuchen sie, sich ins Innere zu ziehen, während sie weiter das unheimliche Mantra wiederholen. Passagiere, Bedienstete und schließlich auch Arthur gelingt es, sie zurückdrängen, bis der Zug den Mob hinter sich ließ.

In Benares herrscht Aufregung, Unruhe und Chaos: Verletzte Reisende werden aus den Waggons gebracht, zwei der Unruhestifter von der Polizei in Gewahrsam genommen und weggesperrt. Die Investigatoren versuchen, mehr über diesen Vorfall herauszufinden und Lady Clara gelingt es, solange auf einen armen Constable einzureden, bis dieser sich sogar bereit erklärt, ihr bei der legalen Beschaffung von Schußwaffen hier in Benares zu helfen.

Die Weitereise nach Nautanwa an die indo-nepalesischen Grenze ist für den nächsten Tag geplant, sodass die Investigatoren es sich nicht nehmen lassen, nochmal die Freiheiten und westlichen Annehmlichkeiten hier in Benares zu nutzen. Gilbert kann in der örtlichen Kaserne seinen Status als Captain geltend machen und Informationen über Nepal einholen. Vor allem die Tatsache, dass es Personen aus der westlichen Welt nicht gestattet ist, die Grenze zu übertreten, sorgt bei den Investigatoren für Kopfzerbrechen.

Emma und Arthur lässt der Vorfall keine Ruhe und so beschließen sie, früh am nächsten Tag in das Viertel aufzubrechen, wo der Vorfall mit dem Mob seinen Ursprung genommen hat. Eine Riksha bringt sie in die slum-artige Gegend und es beschleicht sie schon schnell das Gefühl, dass sie sich hier nicht allzu lange aufhalten sollten. Man findet jemanden, der sie zu einem verlassenen Lagerhaus bringt und dort können sie tatsächlich das Zeichen des gelben Königs finden, was auch schon in Bombay am Markt für Streit und böses Blut gesorgt hat. Sie werden aber von drei Gestalten überrascht, die sie bedrohen und ausrauben wollen. Es gelingt Emma und Arthur aber zu fliehen und sie entkommen einem ähnlichen Mob wie am Vortag nur mit viel Glück und Drohungen.

Die kurze Zugfahrt verläuft ereignislos und die Gruppe kommt in der kleinen Grenzstadt an. Nun geht es darum, einen Führer zu finden, der sie in die Berge nach Nepal bringen kann. Auch muss einiges an Ausrüstung besorgt werden, es braucht kundige Träger und natürlich immer die große Frage: Ist die italienische Expedition hier durchgekommen?

Siva kann einen Anführer einer kleinen Gruppe Nepalesen finden, der bereit wäre, die Investigatoren mitzunehmen. Es ist ein fröhlicher Mann namens Jigme Rinzing, dessen Gesicht von Falten gezeichnet ist. Da er nur nepalesisch und etwas Hindi spricht, gestaltet sich die Preisverhandlung schwierig, aber schlußendlich erklärt er sich bereit, sie mitsamt Ausrüstung mitzunehmen, wenn er in 3 Tagen zu seinem Heimatdorf Pokharva aufbricht.
Die folgenden Tage gestalten sich schwierig, da die Investigatoren versuchen müssen, nicht aufzufallen, um die Behörden nicht auf sich aufmerksam zu machen. Arthur und Emma haben hier bereits ihre liebe Not und so können es alle gar nicht erwarten, bis es endlich losgehen soll. Rowland hat in der Zwischenzeit eine passende Möglichkeit gefunden, durch den rostigen Stacheldrahtzaun zu schlüpfen, um ungesehen nach Nepal zu kommen. Die Grenzbeamten zeigen kaum Interesse an der Karawane und so treffen alle ein Stück weiter auf nepalesischen Boden wieder zusammen und können ihre Reise in das Gebirge starten.

Was sie wohl hier erwarten wird?